„Wer viel Lyrik liest, besitzt ein inneres Archiv, das sich in manchen Augenblicken des Lebens treffsicher an einer bestimmten Seite öffnet.“

Dieser Gedanke von Cees Nooteboom aus dem Prolog des Buches Saigoku zeigt die wunderbare weite Welt, die dieses Buch gedanklich und thematisch reich macht.

Der Saigoku-Pilgerweg in Japan umfaßt 33 buddhistische Tempel, die alle Kannon, der Göttin des Mitgefühls, geweiht sind.

Gemeinsam mit der Fotografin Simone Sassen pilgerte Cees Nooteboom den Saigoku-Pilgerweg entlang und schildert seine Erlebnisse.

Wir reisen leichtfüßig und doch gedankenschwer mit Stürzen und blauen Flecken den Pilgerweg entlang und erleben so viel von dem, was den praktischen Nutzen des Buddhismus ausmacht.

„Nooteboom begreift sich nicht als Pilger unter Pilgern, sondern beobachtet die buddhistischen Rituale als Außenstehender. Er schätzt es, ein Reisender zu sein, dem Inhalte von Inschriften und manche ikono-graphischen Details verborgen bleiben.“

Dieser Satz des Verlags beschreibt das besondere Reise- und Leseerlebnis, welches das Buch vermittelt. Man muß nicht immer alles kognitiv verstehen, um es begreifen zu können.

So werden wir mitgenommen auf die Reise, die Cees Nooteboom unternimmt. Wir erleben durch seine Augen Japan und wir lernen mit den Augen der Europäer den Buddhismus zu sehen.

Kurzweilig und kenntnisreich ist ein Buch entstanden, das durch die Kombination von Text und Bild eine intensive gedankliche und visuelle Begegnung mit Japan und dem Buddhismus ermöglicht auf einer Reise durch die 33 Gärten des Saigoku Wegs.

Wir erleben auch wie praktisch der Buddhismus als Religion (und Philosophie?) veranlagt ist und wie zwanglos er Teil des eigenen Ichs ist.

Das Layout des Buches ist großzügig und fein gemacht. Die Fotos sind kein Beiwerk sondern versuchen, die Symbolik, Metaphorik und Energie des Buddhismus zu vermitteln. Viele Fotos sind auf Doppelseiten und ermöglichen damit besonders gute Einblicke.

Das Buch ist eine Quelle von unterhaltenden Geschichten, die viel Wissen vermitteln. Es ist zugleich eine besondere Art von Reiseführer für Europäer und es gibt denen, die einen Zugang  zum Buddhismus haben wollen, die Chance, sich visuell anzunähern.

Es ist ein sehr schönes Buch und es ist durchgängig unterhaltsam.

Die kurzen Erzählungen voller Fakten lassen uns mit Cees Nooteboom die Klöster und ihre Anlagen erkunden und die Fotos zeigen alles das, was Worte allein nicht können.

Die Freiheit der Phantasie beim Lesen begegnet den konkreten Aufnahmen der Fotografie.

So ergibt sich auch aus dieser Kombination ein besonders interessanter Weg durch das Buch und durch den Saigoku.

Es ist ein Buch mit Charakter geworden, dessen Thema letztlich der Weg durch die Welt ist. Es ist sehr konkret, sehr anschaulich und sehr lesenswert.

Dem Verlag ist damit ein Buch gelungen, welches ein Geschenk für sich und andere ist.

In gewisser Weise ist es „interkulturell“ auf eine so sympathische Art, dass man nur empfehlen kann, sich diesem Buch zu widmen.

Es ist gut eingesetzte Lebenszeit.

Das Buch ist bei Schirmer/Mosel erschienen.

Cees Nooteboom

SAIGOKU – Auf Japans Pilderweg der 33 Tempel

Photographien von Simone Sassen

ISBN 978-3-8296-0643-1